Vom Apfelbaumveredeln (Teil 1). ..

Neulich besuchte ich einen Kurs für das Veredeln von Obstbäumen. 

Wir Teilnehmer lernten, auf Sämlings- Unterlagen Edelreiser alter Sorten zu setzen. Diese Technik zu beherrschen ist prima, denn so kann man sich - angepasst an Standort, Platz, Boden - sein eigenes Wunschbäumchen mit Wunschsorte kreieren. Und nebenbei auch einen Beitrag zum Erhalt der Sortenvielfalt leisten. 

Edelreiser mit alten Sorten
Edelreiser mit alten Sorten

Es gibt diverse Methoden der Veredelung: Die gängigsten sind wohl Kopulation, Okulation, Anplatten. Erstere lernten wir im Kurs näher kennen. Und nach kurzer theoretischer Einführung durften wir uns selbst an Reiser und Unterlagen wagen. 


Vor Kursbeginn hielt ich mich als geübte Hobbybastlerin für taktil geschickt. 

Aber der diagonale, glatte, genau gleiche Schnitt mit dem speziellen Kopuliermesser  an Unterlage und  Reis, der beim Kursleiter so mühelos ausgesehen hatte, entpuppte sich als tricky.


Das Ganze wurde nicht dadurch besser, dass Lieblingsgärtner, mein Mann, ebenfalls teilnahm. 

Zwei Perfektionisten, Feuerzeichen, die sich wetteifernd an einer neuen Tätigkeit erproben, die nicht gleich klappen will: Das wird laut! Zumal, wenn einer von dem dummen Dauersturmwetter noch Migräne und eine entsprechend niedrige Reizschwelle hat. 


Vorsorglich separierten wir uns daher beim Schnitzen etwas von den anderen. Und suchten uns um die Ecke des Unterstands, unter dem der Kurs stattfand, ein Plätzchen unter freiem Himmel. 

Aber die mitleidigen Blicke, als wir neues Reisermaterial holten, verrieten, dass die anderen Teilnehmer uns zwar um die Ecke des Unterstands nicht sehen, wohl aber fluchen hören konnten.


Der Kursleiter, ein Biologe und Pomologe, hatte es gut erklärt und gezeigt. Ihm war leider keine Schuld für unsere untauglichen Erstschnitzereien zu geben. Und dem vermeintlich stumpfen Messer nur so lange, bis ich mir leicht in den Daumen und Lieblingsgärtner sich erfolgreich in die Jacke schnitt.


Hoffnungsvoll zeigte ich irgendwann dem Kursleiter mein Werk. Der zog die Augenbrauen hoch. Und leider nicht vor Erstaunen über den begnadeten Schnitt.
Also nochmal neu.
Endlich aber bestanden Reis und Unterlage den Kompatibilität-TÜV.


Nach einigen Verwicklungen war auch das Verbindungsgummi mehr oder weniger angebracht. Mit Wachs wurde dessen Kruckeligkeit kaschiert.


Am Ende guckten wir zweifelnd auf unsere  produzierten, zu Hause in Töpfchen gepflanzt en und an die schützende Hauswand gestellten Bäumchen - ein Prinzenapfel und ein Celler Dickstiel. Wir wünschten ihnen still s e h r viel Wuchskraft im Kambium. Sie werden es  nötig haben ...

In der nächsten Woche werde ich Euch berichten, wie es ist, sich im regionalen Einzelhandel auf die Suche nach einem Veredelungswerkzeug zu begeben..


Bis dann, habt ein edles Wochenende und liebe Grüße,


Corinna

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Kommentare: 1
  • #1

    Elke Schwarzer (Montag, 18 März 2019 19:54)

    Hallo Corinna,
    da habe ich mich noch nie herangewagt, ich wüsste ja auch gar nicht, wohin mit dem veredelten Bäumchen. Aber ein paar Edelreiser von meinem liebsten Pflaumenbaum sind dieses Jahr nach München gereist, um dort ihr Glück zu versuchen. Ich bin gespannt, wie es ihnen ergehen wird.
    VG
    Elke