Heide im November

Lange Zeit habe ich hier nicht mehr geschrieben. 

Ich weiß nicht, wie es Euch geht? 

Hoffentlich gut, und Ihr seid gesund!

Was fühlt Ihr in diesen Tagen, und wie geht Ihr damit um? 


Mich zieht es - noch viel mehr als sonst - hinaus in jeder freien Minute in den Garten, in jeder freien Stunde mit Lieblingsgärtner in Feld, Heide und Wald. 


Es ist für mich ein Geschenk, dort gemeinsam der latent bedrohlichen Stimmung zu entkommen und aufgefangen zu werden von Luft, Licht, Kälte, Wärme, Gerüchen, Farben. 

Die gespannte Aufmerksamkeit von der angstvollen Beobachtung der wichtigen Welten -, Deutschland-, Regional-, Umfeld -und Lieben - Lage kurze Zeit auf kleine, unbedeutende Details wie ein letztes, wildes Blütenblatt richten zu dürfen.

Spüren können, dass, egal ob in unserer menschlich gestalteten Welt alles aus dem Tritt gerät, die Natur ihren Rhytmus beibehält. 

Dankbar sein für die Schönheit da draußen, gerade dann, wenn menschliches Verhalten sich hässlich zeigt. 

Ich freue mich dann, Stille wieder als gewollt, nicht als Leere oder als "Fehlen von" zum Beispiel Kontakten und kulturellen Eindrücken zu empfinden. 


Letztes Wochenende fuhren wir wieder in die Heide. Angekommen auf dem vollen Parkplatz war deutlich zu sehen,  dass viele Menschen derzeit wie wir auch nur eines wollen, nämlich "Raus". Wir sind in diesen Zeiten alles andere als allein mit unseren Gefühlen. 


Leider aber verhalten sich einige dennoch so. 

So, als ob sie allein wären auf der Welt. Etwa die 5-köpfige Familie, die, auf dem leeren Parkplatz direkt neben uns ausrollend und parkend, fast 20 Minuten brauchte, um überhaupt aus dem Auto zu klettern. 

Mutti musste erst die Pudelmütze perfekt frisurgerecht richten und das Makeup auffrischen. Die hübschen, aber mufflig dreinschauenden Teenagertöchter waren im Schneckentempo dabei, die rosafarbenen Stadtturnschühchen gegen sichtlich nagelneue Wanderschuhe und ebenso die empfindlichen Stadtmäntelchen gegen tiefstwintertaugliche  Outdoorjacken  zu tauschen. Papa ging erstmal hinter die 

Brombeerbüsche, wo er bald mit sichtlich erleichtertem Gesichtsausdruck und nun das Smartphone checkend, wieder auftauchte. Und der durch diese Situation sichtlich akut mit gefühlter Aufmerksamkeit unterversorgte zehnjährige Sohn probierte,  laut diverse seiner Fußballgötter anrufend, seinen neuen Fußball aus. 

Unter anderem an unserer Stoßstange. 


All diese Vorgänge, im Radius von unter einem Meter rund um unser Auto ablaufend, bannten uns die besagten 20 Minuten sitzend in selbiges. 

Das fiel der um sich selbst rotierenden Familie nichtmal auf, die dachten wohl "Komisches Paar! Fährt raus, nur um drinzusitzen." 

Wir hatten ebenso Zeit nachzudenken. 

Und kamen zu dem Ergebnis, uns zunächst lieber nicht auf den allgemein attraktiven Wanderpfad zu begeben, sondern

einen weniger betretenen, abseitigen zu wählen. 😉....


"Hast Du auch einen Rundkurs ausgesucht? Wie weit? 

Kommt erst lange Wald? 

Oder sind wir gleich auf einer offenen Stelle?

Hoffentlich!

Schau es scheint nämlich gleich die Sonne!" 😃

Wenn ich mich so lese, hat es der arme Mann an meiner Seite nicht immer leicht. Typisch Perfektionistin. 

Freundlich - oder täuschte ich mich und  war da der Hauch einesAugenrollens? 😉- kam die knappe Antwort. 

" Klar. Kurz. Nein. Ja. "

Ich war glücklich, und es konnte losgehen... 

Längs des Waldpfads lag ein Feld, wo jetzt noch diverse Blumen blühten. Die Qualität für Bienen und andere Insekten vermochte ich nicht zu beurteilen, erkannte immerhin Sonnenblumen, etwas Phacelia und Gelbsenf.
Längs des Waldpfads lag ein Feld, wo jetzt noch diverse Blumen blühten. Die Qualität für Bienen und andere Insekten vermochte ich nicht zu beurteilen, erkannte immerhin Sonnenblumen, etwas Phacelia und Gelbsenf.

Noch ein paar Meter weiter, hinter der nächsten Waldwegkurve.... 

Eine strahlend blaue Pflanze hatte sich dort ausgebreitet. 

Schnell näher ran. 

Astern?! 

Astern im Wald?! 

Ein sichtlich wüchsiges Ding! 

Aber keine Wildform!

Da musste jemand entweder seine Wucheraster entsorgt oder direkt angepflanzt haben. 

Astern sind meine Lieblingspflanzen und ich liebe es zu beobachten, wie sie im Herbst den Insekten letzte Nahrung geben. 

Mein Gartenherz hüpfte also begeistert und schubste die Stimme der Vernunft: Naturschutz? Invasiv? Expansiv? Ein bisschen beiseite. 

O. K., nach ausgiebigem Staunen also dann weiter! Noch ein Stück  durch den Wald, bis sich vor uns ein breites Heidestück eröffnet. Coronataugliche 1,50m Abstand neben dem Weg tut sich eine heidefreie sandige Stelle auf. Unberührt, aber sichtlich zerstört man nix beim vorsichtigen Ausbreiten der Picknickdecke.
O. K., nach ausgiebigem Staunen also dann weiter! Noch ein Stück durch den Wald, bis sich vor uns ein breites Heidestück eröffnet. Coronataugliche 1,50m Abstand neben dem Weg tut sich eine heidefreie sandige Stelle auf. Unberührt, aber sichtlich zerstört man nix beim vorsichtigen Ausbreiten der Picknickdecke.

Obwohl wir erst kurz unterwegs waren, hatten wir an der Stelle Lust auf eine Pause. Das lag am knurrenden Magen und an der Aussicht auf leckere, mitgebrachte Käsebrötchen. Aber auch an diesem netten Örtchen, das auf uns ein bisschen wie die Savanne Afrikas wirkte.

Wiedermal zeigte sich, dass Phantasie im Leben eine Menge ausmacht: Die Farben und der Wuchs der Bäume hatte uns positiv getriggert. Zugleich war es gerade nett, beim Käsebrötchen nicht auf wilde Tiere auf dem Weg zur Wasserstelle achten zu müssen. Echt, alles eine Frage der Perspektive. Löwengucken?! Toll! Aber jetzt vermisste ich sie nicht, genoss die Ruhe. 

Nach 2 Minuten schon  sorgte unsere persönliche Retro-Angewohnheit, auf Ausflügen stets Getränke und vor allem "Stullen" dabeizuhaben, wiedereinmal für ein freudig strahlendes  "Guten Appetit!" der vorbeiwandernden Alten wie Jungen.


Was ist das nur für ein Phänomen, fragten wir uns nicht zum ersten Mal. 

Selbstverpflegung macht Dich  i m m e r  autark. Du kannst ohne in den Hungerast zu verfallen und ohne Dich bei Sonnenschein in muffige, überteuerte Tourirestaurants quetschen zu müssen, laufen, solange Du lustig bist. Dennoch scheint Broteschmieren heute noch mehr "out" als Vokuhila oder Schulterpolster. 

Dabei gilt, es ist die einfachste Methode Freude zu verbreiten: Möchtest Du auf, bis eben noch distanziert dreinblickende Gesichter von Wanderern ein Lächeln zaubern, sitze auf einer Decke und beiße in Dein selbstgeschmiertes Mitnehmbrot! 

Aaah, Füße ausstrecken und dann mal richtig umschauen. Im Sommer schwirren hier eine Menge Insekten herum. Die sandige Stelle wird sicher von Wildbienen zur Brut genutzt. Was ist das denn da...? 

Ein stachliger, blauer Geselle! Schaut haargenau so aus wie unserer Blauschwingel im Garten! Wiedermal die nicht so neue Erkenntnis, dass all unsere klassischen Gartenpflanzen ja nur Züchtungen sind.
Ein stachliger, blauer Geselle! Schaut haargenau so aus wie unserer Blauschwingel im Garten! Wiedermal die nicht so neue Erkenntnis, dass all unsere klassischen Gartenpflanzen ja nur Züchtungen sind.
Was für ein tolles Baumgespann: Eiche und Kiefer! Klasse Ergänzung: Der eine sorgt immergrün für Beständigkeit, der andere mit seinem bunten Laubkleid für Wechsel und Abwechslung. Toll, wenn auch menschliche Beziehungen so funktionieren😉...
Was für ein tolles Baumgespann: Eiche und Kiefer! Klasse Ergänzung: Der eine sorgt immergrün für Beständigkeit, der andere mit seinem bunten Laubkleid für Wechsel und Abwechslung. Toll, wenn auch menschliche Beziehungen so funktionieren😉...

Inzwischen ist es vorgerückte Nachmittagsstunde (die anderen Ausflügler dürften die letzte Chance vor dem lockdown nutzen und beim Kaffeetrinken sitzen), und wir beschließen, doch noch ein Ründchen auf bekannterer Strecke zu laufen.

"Barrierefrei" scheint uns unserem heutigen Gemütlichkeitsgefühl ganz angemessen😉, und so geht es los auf dem Rolliweg im Heideörtchen Niederhaverbeck... 

Kurz unter Eichen laufend, ein Ministück am Bach entlang, und schon eröffnet sich klassische Heidelandschaft 😊. Wacholder und Birke sind unverzichtbate Zutaten.
Kurz unter Eichen laufend, ein Ministück am Bach entlang, und schon eröffnet sich klassische Heidelandschaft 😊. Wacholder und Birke sind unverzichtbate Zutaten.

Auch wenn mir Bäume am liebsten lebendig und gesund sind - dieser gefällte Riese hat etwas! 

... Unter anderem hat er bereits diverse Pilzbewohner im Inneren, die wie diverses Krabbelgetier seine Substanz langsam aber stetig zersetzen.
... Unter anderem hat er bereits diverse Pilzbewohner im Inneren, die wie diverses Krabbelgetier seine Substanz langsam aber stetig zersetzen.
Was auch immer das für ein Gras ist, das überall in der Heide wächst und diese auch ein Stückchen verdrängt: Jedesmal aufs Neue muss ich ein Foto davon machen. Die herrliche Färbung fasziniert mich.
Was auch immer das für ein Gras ist, das überall in der Heide wächst und diese auch ein Stückchen verdrängt: Jedesmal aufs Neue muss ich ein Foto davon machen. Die herrliche Färbung fasziniert mich.

Dann, ein überraschendes Naturphänomen 😃. Wie kommen die Köttel auf die Bank?!

Meine Lieblingsvorstellung ist die, dass sich Schaf Erna heimlich von der Herde entfernt hatte. Die anderen sollten nicht mitbekommen, dass sie so gern auf der Zweibeinerbank sitzt und den Sonnenuntergang betrachtet. Heute war ihr Glückstag, hatte sie doch mitten in der Heide einen Apfel gefunden und selig schmatzend gefressen. Doch eben dieser Schatz machte ihr jetzt gewisses Bauchgrummeln... 

O. K.. Nach diesem Wegflutschen... meiner Phantasie bin ich nun ein bisschen still, dass Ihr auch in Ruhe schauen könnt. 

Na, immerhin ein paar Minuten hab ich den Mund bzw. die Tippfinger still gehalten, oder?!

Nun aber eine Frage:Woran erinnert Euch das nächste Bild?! Bitte möglichst kindlich und spontan antworten! 

Wer jetzt sagt: "Amerikanische Wüste, Nevada Texas...und gleich kommt ein Geier angeflogen und setzt sich auf den toten Baum!" D e r bekommt einen festen, virtuellen Drücker 😃!

Denn die Richtung stimmt schonmal. Auch wenn ich mehr noch auf "Mexiko" hinaus will. Liebe Gartenfreunde haben sich in dieses Land verliebt und sind dieses Jahr natürlich ausgebremst.... Ich möchte sie - bislang vergeblich- locken, einen Hauch von Trost in unserer regionalen Natur zu finden. 

Auch der wunderschöne Eichenbaum auf den folgenden Fotos  ist schon arg trockenheitsgeplagt. Aber noch kann diese Majestät niemand stürzen. 

Wo wir gerade bei Wüste waren... Na, welches Tier kommt Euch bei diesem Ast in den Sinn?! 😉

Noch so ein wundervoller Riese. 

Ein paar Minuten später, den Aussichtspunkt lassen wir heute, der Handvoll anderer Besucher geschuldet einfach aus, verändert sich die Landschaft, und aus Trockenheit  wird Feuchtigkeit.

Immer noch Heide, aber fast ein Moorboden daneben, tiefgrünes Moos!

Da schlägt das Herz höher und unwillkürlich zu schottischer Dudelsackmusik! Als ich dann auch noch sowas wie "Wild mountain thyme" ähm beziehungsweise schlicht wild wachsenden blühenden Sandthymian finde, bin ich in diese 1000 Quadratmeter restlos verschossen. 

(Hatten Glück, der Stengel war bereits geknickt.)
(Hatten Glück, der Stengel war bereits geknickt.)

Mit dem letzten Foto wünsche ich Euch alles Gute in diesen Tagen und dass Ihr das Große im Kleinen wiederfindet. Passt gut auf Euch auf und bleibt gesund 🍀😊. 

2 Kommentare

Licht und Schatten

Ohne Schatten kein Licht.... Ich glaube inzwischen, wenn man im Leben nicht auch dunkelste Situationen erfahren hat, ist man gar nicht in der Lage, das Gute, die Helligkeit, im Detail wahrzunehmen und zu fühlen.

Ende Februar erfuhr ich einen persönlichen Verlust, der mich noch lange beschäftigen wird. 

Und etwa seit März ist unser aller Leben zumindest "gedimmt", um eben Leid und Verlust für uns a l l e  zu verhindern.

In diesen Zeiten wird die Suche nach dem Licht immer wichtiger - ich finde es oft im Garten. 

Mein Schattenbeet unterm Kirschbaum hat ein improvisiertes Bänkchen bekommen. Nach dem Regen kann man dort die Pflanzen beim Wachsen beobachten.
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Vorbilder in Sachen Leichtigkeit - Aquilegia vulgaris, Akelei
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Farben, Strukturkontraste durch Carex plantaginea, Breitblattsegge und Hosta, Funkie
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Sie haben schon etwas ausgeläutet, bewahren aber Haltung, Hyacinthoides non-scripta, Englisches Hasenglöckchen
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Das Positive sehen: die geliehene grüne Kulisse vom Nachbarn. Und das  Negative wie  den drahtigen Zaun lieber vergessen...
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Schönheit im Detail, Heuchera c. Hybrida "Innominatam" ;-)
Schönheit im Detail, Heuchera c. Hybrida "Innominatam" ;-)
Gut beschützt unterm Blätterdach von Prunus avium, der alten Süßkirsche
Gut beschützt unterm Blätterdach von Prunus avium, der alten Süßkirsche

Der Höhepunkt des langen Gartentages: Spät steht die Sonne so tief im perfekten Winkel, dass das Bänkchen zur Sonnenbank wird und alles in ganz anderem Licht erscheint!


Liebe Grüße und ein gutes, gesundes Wochenende, Corinna
Liebe Grüße und ein gutes, gesundes Wochenende, Corinna
3 Kommentare

Frostige Impressionen....

... und diesmal ziemlich wortlos, Ihr Lieben😉! Nein, ich habe keinen Halsinfekt, zum Glück nicht! Aber es ist soviel zu tun in Familie, Arbeit und Verein, dass ich gerade ein bisschen durchs Leben hetze. Ich hoffe, das ändert sich bald. 

Es ist schon e i n i g e  Tage her, als der Frost zeigte, dass er a u c h ein Künstler ist.... Ganz liebe Grüße und viel Spaß in Garten und auf Koloniewegen!